Heute wehte ein laues Lüftchen, und die Sonne tat sich sehr schwer, so dass es draußen gut auszuhalten war. Am Morgen liefen wir wieder einige Straßen ab. Dabei wurden wir wieder Augenzeuge von so vielen unglaublichen Dingen, die für deutsche Verhältnisse unvorstellbar sind.
Am Nachmittag hatte ich eine weitere Unterrichtsstunde mit meinen Spezis. Karen hatte ich dieses Mal mit Sirley vorgeschickt zum Fitnesscenter, damit sie in den Genuss kommt, einen Kurs (der Freitagskurs ist mein Favorit) von Anfang an zu erleben. Ich wurde unterdessen nach dem Unterricht aufgehalten, so dass ich hoffnungslos zu spät kam zur Aerobicstunde. Tina und Linda nehmen uns morgen mit nach Chengdu zum Einkaufsbummel. Vorher, direkt nach Schulschluss, wollen sie mit uns gemeinsam Mittag essen. In der Stunde schlich sich Mrs Lee in meinen Unterricht. Danach musste sie feststellen, dass Deutsch sehr schwer zu erlernen scheint. Sie bot mir an, morgen mit ihr und ihrem Mann mit dem Auto nach Chengdu zu fahren, da es doch viel schneller und bequemer ist als mit dem Bus. Da aber nicht für alle Platz im Auto ist, und ich den Mädchen schon lange versprochen hatte, mit ihnen zu fahren, lehnte ich ihr Angebot dankend ab. Mrs Lee bemerkte: „Oh, I see, you love your students.“ Und ich konnte ihr nicht widersprechen, was die Mädchen sehr freute. So blieb ihr nichts anderes übrig, als uns nach unserer Rückkehr morgen Abend zum Dinner einzuladen. Diese Einladung nahm ich dankend an. Inzwischen hat uns Lindas Mutter zum Dinner morgen Abend eingeladen, ich musste ablehnen. So werden wir voraussichtlich unseren letzten Abend hier in Shuangliu nächsten Samstag gemeinsam mit Lindas Familie verbringen. Für Sonntag hat sich Mr Hu, der Vice Principal, einen Ausflug mit uns vorgenommen, der dritte Anlauf. Ich lasse mich überraschen, ob er zustande kommt, und wohin es geht. Und nächsten Samstag will Jane mit uns einen Ausflug machen. Wir wollen uns den Staudamm in Dujiangyan anschauen und auf dem Weg dorthin halt auf der Seidenstraße machen. Für Donnerstagvormittag wurden wir zu einer besonderen Show mit tollen Kostümen im Kindergarten eingeladen. So gibt es noch einen Endspurt mit einigen Höhepunkten, bis wir Chengdu wieder verlassen müssen.
Auf dem Weg zum Fitnesscenter lief mir Claire über den Weg. Sie zeigte mir einen Ort, wo es Mahjonggspiele zu kaufen gibt. Jeder spielt hier Mahjongg, die Steine dazu gibt es aber nur an ganz wenigen Stellen zu kaufen. Der Verkäufer war freudig überrascht, einen Ausländer bedienen zu können. So kostete es Claire auch keine großen Verhandlungskünste, um ordentlich Rabatt herauszuschlagen. Nebenbei erklärte mir Claire, dass das Drachenbootfest nicht am Freitag, sondern am Mittwoch nächster Woche stattfindet, da morgen der erste Mai nach dem chinesischen Kalender ist. Und das Dragonboatfestival (duān wǔ jié) findet am 5.Tag im Mai statt.
Voll bepackt mit Schulsachen, Sporttasche und Mahjonggspiel erreichte ich das Fitnesscenter gerade noch rechtzeitig zum Cool down mit meiner Lieblingsmusik, "Endless love" von Hee-seon Kim und Jackie Chan aus dem Film "The Myth", einfach wunderschön. Karen war total begeistert von dieser Stunde, es stimmte einfach alles. Nach einer ausgiebigen Dusche ging es weiter zum Bamboo Stone Teahouse, wo uns Camille und die Belegschaft bereits erwarteten. Es dauerte nicht lange, bis wir wieder einmal im Dunkeln saßen. So reichte auch das heiße Wasser nicht mehr allzu lange für frisch aufgebrühten Tee. Da uns der Englischlehrer von Celia so nett unterhielt und sich gemüßigt fühlte, uns chinesische Grundbegriffe beizubringen, verweilten wir dort jedoch recht lange und erlebten sogar noch die Wiederkehr des Stroms. Richard arbeitet auf dem Flughafen in Chengdu und gibt einigen interessierten Leuten Englischunterricht. Er hat Celia einen neuen englischen Namen verpasst, Christina, da dieser zu den Top 20 gehört. Und offensichtlich hatte Celia nicht erzählt, dass sie sich bereits für einen anderen entschieden hatte. So läuft das also mit den englischen Namen. Er kann durchaus auch gewechselt werden. Richard gab tolle Empfehlungen für lohnenswerte mehrtägige Fahrten, die leider für mich zu spät kommen. Camille nahm aber alles mit großem Interesse zur Kenntnis. Zu vorgerückter Stunde verließen wir schließlich das Teehaus und beendeten den Tag bei einer Tasse Cappuccino und der Tagesauswertung in unserem Appartement.